HTC lässt sich in Marburg nicht stoppen

BC Pharmaserv Marburg – Herner TC 67:75

Die Basketballerinnen des Herner TC ließen sich weder von der kurzen Zwangspause noch von Kristina Topuzovics ausgerenktem Finger stoppen und begannen das neue Jahr in der Toyota 1. DBBL so, wie sie das alte beendet hatten: Mit einem nie wirklich gefährdeten Sieg, dem vierten in Folge.

So hingebungsvoll sich der BC Pharmaserv Marburg auch gegen die Niederlage stemmte, das reifere, in fast allen Belangen stärkere Team stellte der Herner TC, der sich dann auch verdient mit 75:67 (46:37) durchsetzte und seinen dritten Tabellenplatz mit nun 8:3 Siegen festigte. Die HTC-Damen waren sofort „on fire“ und legten bereits in den ersten beiden Minuten eine 8:3-Führung vor. Topuzovic eröffnete das Spiel mit einem Korbleger, Bakers Distanzwurf zum 3:2 für Marburg konterten Laura Westerik und Dayna Rouse gleich mit zwei Dreiern für Herne.

Wenig später renkte sich Topuzovic bei einem hart, aber fair verteidigten Lay-up den kleinen Finger ihrer Wurfhand aus, musste zur Behandlung in die Kabine. Kurz schienen die Gäste geschockt, ließen zwei Punkte an der Linie liegen und sahen sich nach einer 0:7-Serie plötzlich in Rückstand (10:8/5.). Schnell aber hatten sich die Schützlinge von Marek Piotrowski wieder gefangen und spielten in den Folgeminuten ihre größten Stärken aus. Mit aggressiver Defense zwangen sie die Dolphins, schwierige Würfe zu nehmen, eroberten dank ihrer physischen Dominanz die Abpraller und veredelten ihr brillantes Fastbreakspiel mit „leichten Punkten“. Keine drei Minuten dauerte es, da hatten die Gäste mit einem 11:0-Run zum 10:19 (8.) schon mal eine erste Duftmarke gesetzt. Bis Mitte des zweiten Viertels pendelte Hernes Vorsprung zwischen sechs und zwölf Punkten. Doch kaum hatte die erneut überzeugende Laura Zolper den ersten ihrer vier Dreier zum 19:31 (14.) ins Ziel gezaubert, gab Marburgs Alexandra Wilke mit fünf Punkten in Folge das Signal zur Aufholjagd. Piotrowski erkannte die Gefahr, brachte die getapte Topuzovic zurück aufs Parkett. Und die Serbin übernahm sofort Verantwortung. Trotz ihres Handicaps dribbelte sie durch die Zone und beendete die kurze Herner Flaute mit einem Korbleger zum 26:33 (16.). Als Rachel Arthur und Hanna Crymble noch in derselben Minute auf 30:33 verkürzten, packte Topuzovic noch einmal vier Punkte aufs Herner Konto.

Mit zwei Dreiern stellte Laura Zolper auf 30:43 (19.), und nach Crymbles Dreipunktspiel zeigte Topuzovic, dass auch sie es aus der Distanz kann. „Das war Wahnsinn. Es gibt wenig Spielerinnen, die sich mit einer solchen Verletzung noch zur Verfügung stellen. Topuzovic tat es, und sie war dann auch mit einer Hand die beste Spielerin auf dem Feld“, dankte Trainer Piotrowski der 26-Jährigen. „Das zeigt, was Kristina für einen Charakter hat. Sie will immer alles geben.“

Also nahm Herne eine zweistellige Führung mit in die zweite Halbzeit, und die geriet zunächst auch nicht in Gefahr. Im Gegenteil. Obwohl Marburg nun in der Defense die Intensität erhöhte, fanden die Hernerinnen meist gute Lösungen. Mal zogen Jelena Vučetić oder Topuzovic zum Korb, mal wurde Sofia Pelander unter dem Brett in Szene gesetzt, mal wanderte der Ball von innen schnell wieder zu einer freistehenden Flügelspielerin. Bis auf 19 Punkte setzte sich der HTC ab (48:67/30.), ehe Tonisha Baker mit ihrem Dreier das Viertel beendete. Vielleicht gingen die HTC-Ladys etwas zu selbstsicher in den Schlussabschnitt. Die ersten drei Angriffssequenzen verpufften jedenfalls ohne Abschluss. Für Marek Piotrowski Grund genug, sein Team in einer Auszeit neu einzustellen, zumal eine personeller Engpass drohte. Es fehlte nicht nur die Energie von Kapitänin Laura Westerik, die sich bereits mit fünf Fouls aus dem Spiel genommen hatte, auch Ae‘Rianna Harris und Jelena Vučetić näherten sich der Foulgrenze. Ramona Tews war erst gar nicht mitgefahren, Topuzovic angeschlagen. Es hieß also, klug mit den Optionen umzugehen. Der erfahrene Herner Coach fand die passenden Lösungen und brachte sein Team schnell wieder in die Spur. Bis zum 56:73 (35.) deutete nichts darauf hin, dass es noch einmal eng werden könnte. Beim HTC machten sich neben Sarah Polleros auch die jugendlichen Jule Groll (17) und Lara Langermann (15) für ihren Einsatz warm. Doch plötzlich war irgendwie der Wurm drin. Vorne fiel nichts mehr in den Korb, und in der Herner Zone konnten sich die wacker rackernden Dolphins nun öfter durchsetzen. Als Marie Berthold gut eine Minute vor Schluss den Marburger 11:0-Run mit zwei Punkten zum 67:73 vollendete, wurde es auch Piotrowski langsam mulmig. Mit der nächsten Auszeit stoppte er den Lauf des Gegners, schickte für die restlichen 66 Sekunden seine beste Fünf aufs Parkett, und die schaukelte den Erfolg dann doch ziemlich ungefährdet ins Ziel.

„Es hat noch nicht alles gepasst, auch die Rotation in der Verteidigung war nicht allzu rosig, aber insgesamt war es eine starke Teamleistung“, bilanzierte Marek Piotrowski. „Jetzt haben wir uns in der oberen Tabellenregion etabliert, und da wollen wir auch bleiben.“ Am nächsten Samstag steht das Heimspiel gegen Hannover auf dem Plan. Nicht mehr dabei sein wird Ramona Tews, die voll berufstätig ist und die Doppelbelastung mit Bundesliga-Basketball nicht länger tragen will. Umso mehr hofft der HTC-Coach, dass Topuzovic spielen kann. „Jetzt hat sie Tabletten bekommen und war vollgepumpt mit Adrenalin. Aber die Schmerzen werden kommen.“

Topuzovic (18/1, 10 Rebounds), Pelander (16), Zolper (14/4), Vucetic (13), Westerik (7/1, 7 Reb., 5 Assists), Rouse (5/1), Harris (2), Polleros, Groll, Langermann.

10.01.2021 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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