Starke Teamleistung in Hannover

TK Hannover - Herner TC 74:88

Nach einer erstaunlich reifen Teamleistung setzte sich der ersatzgeschwächte Herner TC bei TK Hannover relativ ungefährdet mit 88:74 (46:36) durch, verteidigte den dritten Platz und freut sich nun auf den Vergleich mit Spitzenreiter Keltern am kommenden Samstag in der H2K-Arena.

Als in der Sporthalle Birkenstraße die Schlusssirene verklungen war und wieder Weihnachtslieder aus dem Lautsprecher plärrten, ließ sich sogar Marek Piotrowski zu einem kleinen Tänzchen mit seiner Kapitänin Laura Westerik animieren.

Nach einigen Schrittfolgen des „Jerusalema Dance“ nahm Hernes Headcoach seine junge Aufbauspielerin Laura Zolper zur Seite und führte mit ihr ein längeres Gespräch im Mittelkreis. „Laura kriegt so oft einen Anschiss von mir, diesmal musste ich sie einfach loben. Sie hat klasse gespielt“, verriet Piotrowski den Tenor dieser Unterhaltung.

Und noch eine zweite, bislang im Schatten stehende Akteurin wurde lobend erwähnt. „Auch Dayna Rouse hat uns heute gut unterstützt und ihre Punkte zum Sieg beigetragen.“

Beide jungen Damen kamen von der Bank, beide scorten zweistellig. Rouse (10 Punkte) traf ihre ersten fünf Würfe, verlegte nur den letzten und hatte nach 15 Minuten Einsatzzeit dieselbe Effektivität (+12) wie Stephanie Gardner, die beste Hannoveranerin.

Und Zolper (+23/18 Punkte) war in einem geschlossen starken Team so etwas wie die Matchwinnerin. Bei einer 10:8-Führung (7.) schickte Piotrowski sie aufs Feld, um sie danach nur noch einmal kurz herunterzuholen. Zum Verschnaufen, nicht weil sie patzte. Im Gegenteil.

Mit einem Dreier leitete Zolper einen 16:3-Run ein, mit dem sich der HTC Anfang des zweiten Viertels von 20:19 auf 36:22 absetzte. Nach einem Korb der vor allem anfangs überragenden Kristina Topuzovic – es waren bereits ihre Punkte elf und zwölf – ließ Zolper gleich noch einen Dreier folgen, ehe AeRianna Harris und Sofia Pelander mit sechs Punkten binnen 60 Sekunden diese vorentscheidende Phase abschlossen.

Bis dahin ähnelte der Spielverlauf stark dem der letzten beiden Partien. Wieder erwischte der HTC einen Blitzstart, führte durch drei Körbe von Topuzovic und einen von Ramona Tews nach zwei Minuten mit 8:0. Dann nahm TKH-Trainerin Juliane Höhne eine Auszeit, stellte auf 2-3-Zone um, und der Herner Fluss war erst einmal dahin.

Das Offensivspiel wirkte auf einmal statisch, die Anspiele unter den Korb klappten nicht mehr, und von außen traute sich noch niemand zu werfen. So schlossen die Turnschwestern auf, waren nach Tarasavas Dreier zum 11:12 (8.) erstmals auf einen Punkt dran.

Zum Ausgleich aber reichte es auch in der Folge nie. Einerseits stellten sich die Piotrowski-Schützlinge mehr und mehr auf die Wechsel der Verteidigungssysteme ein, fanden im Angriff immer bessere Lösungen, andererseits konnten sie sich durchgängig auf ihre Überlegenheit unter beiden Brettern verlassen. Allein Pelander packte sich sieben Offensivrebounds, insgesamt brachte es der HTC auf zwanzig. „Dadurch hatten wir immer wieder zweite oder dritte Chancen“, sah Piotrowski auch da einen Schlüssel zum Sieg.

Beim 22:23 (12.) war Hannover letztmals auf Tuchfühlung. Zwei Minuten später stand es 22:36, und wie schon in den letzten beiden Partien sah Herne zur Halbzeit wie der kommende Sieger aus.

Diesmal allerdings hatte sich der HTC die Kräfte besser eingeteilt. Weil die Last nicht auf wenigen Schultern drückte, sondern alle Spielerinnen ihre Leistung brachten, weil Herne zudem geschickt mal Dampf machte, mal das Tempo verschleppte, blieb ein krasser Leistungsabfall wie in den letzten Spielen nach der Pause aus.

Nur zweimal noch konnten die Turnschwestern ihren Rückstand knapp unter die zweistellige Schwelle drücken, zuletzt beim 47:56 (28.). Doch diesmal wackelte Herne nicht. Erst traf Laura Zolper, dann Dayna Rouse, und nach einem TKH-Korb semmelte Ramona Tews einen langen Dreier zum 49:63 (29.) durch den Ring.

Mit einem komfortablen 15-Punkte-Vorsprung startete der HTC ins Schlussviertel, ließ sich auch von vier schnellen Punkten nicht irritieren und hielt den Gastgeber jederzeit auf Abstand, unter anderem durch zwei weitere Dreier der nun befreit aufspielenden Laura Zolper. Beim 66:85 (37.) streckten die Turnschwestern die Waffen. Nun bekamen auch die jungen TKH-Mädchen ihre Minuten, ebenso wie Hernes Jule Groll, die sogar einen Dreier nahm. Der verfehlte zwar den Korb, ihr Ziel aber hatten die Hernerinnen da längst erreicht.

„Es ist schön, dass wir die Serie verteidigt und wie in den letzten vier, fünf Jahren in Hannover gewonnen haben“, freute sich Marek Piotrowski über den unerwarteten Sieg bei einem Lieblingsgegner. „Hannover hätte uns überflügeln können, jetzt haben wir sie um vier Punkte distanziert. Das gibt uns Selbstvertrauen.“ Als Kampfansage an Keltern wollte der HTC-Trainer das nicht verstanden wissen (mehr über die personelle Situation beim Herner TC hier): „Unsere Probleme bleiben, wir haben weiter zu wenig einsatzfähige Spielerinnen. Gegen Keltern sind wir auf jeden Fall wieder Außenseiter.“ Muss ja kein Nachteil sein.

Zolper (18/4), Topuzovic (18/1, 8 Rebounds, 7 Assists, 5 Steals), Pelander (16, 12 Rebounds), Harris (15), Rouse (10), Westerik (6), Tews (5/1), Polleros, Groll.

06.12.2020 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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