Starke Teamleistung in Hannover

Mit nur sieben Spielerinnen gewinnt der Herner TC in Hannover 68:66. Laura Zolper wird zur Match-Winnerin.

Mut und den Glauben an sich selbst brauchte es, den „Birken-Dome“ an diesem Sonntag nicht mit schlotternden Knien zu betreten. Denn einerseits hatten die Turnschwestern in ihrem Wohnzimmer in dieser Saison noch niemanden am Sieg schnuppern lassen, andererseits waren die Voraussetzungen denkbar ungünstig, die der Meister mit nach Hannover schleppte. Nachdem auch Kapitänin Jordan Frericks wegen einer Fußverletzung noch kurzfristig hatte passen müssen, konnte der HTC-Trainer nur sieben Spielerinnen aufs Parkett schicken, darunter die junge Laura Zolper und Eva Rupnik, die wegen eines fiebrigen Infekts die Woche über kaum trainiert hatte. Also war Piotrowski zum Improvisieren gezwungen.

Statt der gewohnt harten, aggressiven Manndeckung ließ er sein Team über weite Strecken eine flexible Zonendeckung spielen, um Kräfte zu sparen und nicht früh in Foul-Trouble zu geraten. Und diese Maßnahme zeigte Wirkung. Hannover tat sich von Beginn an schwer, seine exzellenten Distanzwerferinnen freizuspielen, ließ den Ball zu langsam laufen und leistete sich gegen die aufmerksame Herner Defense zudem viele Flüchtigkeitsfehler. Zwar führten die Turnschwestern schnell mit 5:2 (2.), aber dann ließen Laura Westerik, Adelina Abaiburova und Ivana Brajkovic in kürzester Zeit sechs Herner Punkte zum 5:8 (3.) folgen.

Davon ermutigt, blieben die Hernerinnen auch in den folgenden Minuten am Drücker, bauten ihren Vorsprung auf sechs Punkte aus (7:13/8.) und entschieden das erste Viertel für sich. In der Offensive setzten vor allem Abaiburova und Brajkovic die Akzente. Während die Würfe aus der Distanz einfach nicht fallen wollten, setzten sich die Russin und die Serbin unter den Körben immer wieder durch und trafen hochprozentig.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts zeichnete sich jedoch eine Wende ab. Mit fünf schnellen Punkten durch Birte Thimm und Janne Pulk übernahm Hannover wieder die Führung (19:17/12.), gleichzeitig musste Laura Zolper vom Feld, um sich einen Cut unter dem Auge zupflastern zu lassen. Aber auch das steckten die Gäste ungerührt weg. Angeführt von Ivana Brajkovic, die jetzt an alter Wirkungsstätte ganz groß auftrumpfte, hielt der HTC weiter voll dagegen, erkämpfte sich die Führung zurück und behauptete sie bis zum Seitenwechsel.

Bis zum 33:37 (23.) zeigten die Piotrowski-Schützlinge kaum Schwächen, spielten konzentriert und bügelten Fehler der Mitspielerin sofort aus. Dann aber schienen die Kräfte zusehends zu schwinden. Eine 7:0-Serie des Turn-Klubs zum 40:37 (25.) beantwortete Katharina Fikiel noch mit zwei Freiwurfpunkten. Als sich Abaiburova dann aber ein durchaus umstrittenes „unsportliches Foul“ einhandelte, das Tarasava zu fünf Punkten nutzte, schien Hannover das Spiel endgültig auf seine Seite ziehen zu können.

Aber Herne steckte einfach nicht auf. Piotrowski rief zur Auszeit, schwor sein Team neu ein, und als Hannover anschließend zwei, drei leichte Körbe liegen ließ, schöpfte der HTC wieder Hoffnung. Angelika Stankiewicz und Adelina Abaiburova brachten ihr Team bis zur letzten kleinen Pause wieder auf Schlagdistanz (47:43).

Was bis dahin völlig fehlte, waren Herner Dreier. Doch das sollte sich noch ändern. Als Pulk für Hannover aus der Distanz zum 50:45 (32.) einnetzte, antwortete Stankiewicz umgehend mit einem fulminanten Treffer aus neun Metern und demonstrierte damit die Herner Entschlossenheit, trotz widrigster Umstände bis zum Umfallen um den Sieg zu kämpfen.

Hannover blieb zwar zunächst vorn, der HTC mit einer überragenden Abaiburova aber ließ sich nicht abschütteln, schaffte zum 59:59 (37.) erstmals wieder den Ausgleich. Mit wechselnder Ein-Punkt-Führung ging es in die Crunchtime. 90 Sekunden vor Schluss fasste sich Laura Zolper ein Herz und schickte einen feinen Dreier zur Herner 67:63-Führung durch die Reuse. Beim übernächsten TKH-Angriff stibitzte die 19-jährige Zolper den Ball, Laura Westerik erhöhte per Freiwurf auf 68:63, und kurz darauf war die Überraschung perfekt. „Laura war damit fast so etwas wie unsere Matchwinnerin“, freute sich Trainer Piotrowski für die 19-Jährige. „Aber es war insgesamt einfach eine tolle Teamleistung.“

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