Starke Teamleistung sorgt für Festtagsstimmung

TV Saarlouis Royals – Herner TC 56:89 (20:46)

Fast schon dürfen sich Hernes Basketballerinnen freuen, dass es in diesem Jahr in der Toyota DBBL keine Weihnachtspause gibt. Denn von Spiel zu Spiel kommt der Herner TC besser ins Rollen.

Das bekamen am Mittwochabend die inexio Royals Saarlouis zu spüren, die dem HTC nie das Wasser reichen konnten und sich in eigener Halle eine 56:89 (20:46)-Packung einhandelten. Dass Hernes Trainer Marek Piotrowski schon sehr früh im letzten Viertel die 17-jährige Debütantin Jule Groll zusammen mit Laura Zolper, Sarah Polleros, Ramona Tews und Anführerin Kristina Topuzovic aufs Parkett schickte und das deutsche Quartett dort bis zum Ende auch beließ, illustrierte die Kräfteverhältnisse in der Stadtgartenhalle. Hier, wo sonst die Fans richtig Lärm machen, war es ohne Zuschauer gespenstisch still. Die hätten allerdings auch wenig Grund gehabt, ihre Trommeln zu traktieren oder in ihre Tröten zu blasen. Zu deutlich dominierten die Gäste aus dem Revier, die sich diesmal keine wirkliche Schwäche erlaubten und als Mannschaft insgesamt eine beeindruckende Vorstellung gaben. 

„Das war eine rundum gelungene Veranstaltung“, hatte auch Marek Piotrowski nichts an diesem starken Auftritt auszusetzen. „Wir haben das Spiel schnell in die richtigen Bahnen gelenkt und waren in allen Belangen überlegen.“ So konnte er die Spielzeit auch annähernd gleichmäßig auf alle zehn mitgereisten Damen verteilen. „Und alle haben einen guten Job gemacht. Das tut uns richtig gut, denn so können wir jetzt, wo wir im Drei-Tage-Rhythmus spielen, wichtige Körner sparen.“ Mit dem ersten Korb des Spiels brachte Sofia Pelander den HTC in Führung, Jelena Vučetić legte drei Punkte zum 0:5 nach. Zwar kamen die Royals durch Chelsea Waters noch einmal auf 4:5 heran (3.), aber dies blieb ihr knappster Rückstand im gesamten Spielverlauf.

Gegen das blitzschnelle Herner Umschaltspiel fand Saarlouis nie ein Mittel. Zudem kämpfte der HTC, anders als zuletzt in Freiburg, diesmal wieder mit maximaler Energie um die Abpraller, was sich dann auch in den Zahlen niederschlug: Mit 50 zu 28 lag Herne in der Rebound-Statistik haushoch vorn, sehr zur Zufriedenheit des Trainers. „In dieser Richtung wollten wir heute Akzente setzen und zeigen, dass wir die Bretter dominieren können. Freiburg war in dieser Hinsicht nur ein Ausrutscher“, so Piotrowski.

Nur weil der Gast anfangs einige leichte Punkte liegen ließ und ein paar Bälle herschenkte, spiegelte sich die klare Überlegenheit nach dem ersten Viertel im Ergebnis (11:16) kaum wider. Für Herne hatten sich bis dahin Pelander (8), Vučetić (5) und Topuzovic (3) die Punkte-Ausbeute geteilt. Im zweiten Abschnitt stachen dann die anderen Trümpfe. Jetzt setzten vor allem die beiden US-Girls offensive Akzente – nicht nur durch ihre Korberfolge, sondern auch durch sehenswertes Zusammenspiel. Mit ihren elf Punkten bauten Ae‘Rianna Harris (6) und Dayna Rouse (5) die Führung auf komfortable 27:13 (14.) aus.

Als Ruhekissen missverstanden das ihre Mitspielerinnen jedoch nicht. Im Gegenteil. Sie ließen sich von vielen gelungenen Aktionen inspirieren, drehten nun ebenfalls richtig auf und stopften den Royals den Korb voll. Ramona Tews versenkte einen Dreier zum 14:30, kurz vor Viertelende rauschte dann auch der erste Distanzwurf von Laura Zolper durch die Reuse, eine Minute später der zweite. Am Ende war Hernes 20-jähriges Eigengewächs mit 19 Punkten beste Scorerin und effektivste Spielerin auf dem Parkett. Als die Pausensirene ertönte, endete für die Royals ein kleiner Albtraum. Mit 30:9 war der HTC im zweiten Viertel über sie hinweggefegt und hatte schon zur Halbzeit bei einer 46:20-Führung alle Fragen nach dem Sieger praktisch beantwortet. Klar, im Basketball kann fast alles passieren. Aber dass dieses Spiel bei einem derart evidenten Klassenunterschied noch kippen könnte, war beinahe auszuschließen.

Im Grunde hätte der HTC nur noch an sich selbst, an eigener Überheblichkeit und zu großer Selbstsicherheit scheitern können. Doch diesen Gefallen taten die Piotrowski-Schützlinge ihrem Gegner nicht. Sie gingen in der Defense zwar nicht mehr ganz so aggressiv zu Werke, hielten das Tempo aber hoch und schlossen ihre Angriffe sehr oft erfolgreich ab. Nur ganz selten einmal beantworteten sie einen Royals-Korb nicht postwendend mit einem eigenen, und so pendelte der Vorsprung im gesamten dritten Viertel konstant zwischen 25 und 30 Punkten. So durften sich im Schlussabschnitt auch die Hernerinnen mal nach Herzenslust austoben, die sonst kaum von der Bank kommen. So wie Jule Groll. Nach anderthalb Minuten schickte Piotrowski die 17-Jährige aufs Feld, und die fügte sich prima ein.

Ohne erkennbares Lampenfieber stürzte sie sich in ihre Aufgabe, verteidigte aggressiv, spielte saubere Pässe und traute sich auch Würfe zu. Als ihr Dreier in hohem Bogen zum 47:84 (38.) ins Ziel flog, wurde es in der sonst so stillen Stadtgartenhalle richtig laut.

Alles was aus Herne kam, stand, jubelte, klatschte Beifall. Das war es, was dem HTC an diesem Abend noch zu seinem Glück gefehlt hatte. Kann Weihnachten noch schöner werden? Lange Pause gibt es aber nicht, zwei Spiele warten innerhalb weniger Tage: Am Sonntag (27.12.) kommt Heidelberg nach Herne, am folgenden Mittwoch (30.12.) Marburg. Die beiden nächsten HTC-Gegner hätten sich parallel zum Herner Auftritt in Saarlouis gegenüberstehen sollen, die Partie wurde aber abgesetzt, nachdem es in Nördlingen (Heidelbergs letzter Gegner) einen positiven Coronatest gegeben hatte.

Zolper (19/3), Pelander (12, 9 Rebounds), Tews (11/2), Harris (11), Rouse (9), Polleros (8), Topuzovic (7/1, 9 Reb.), Vučetić (7), Groll (3/1), Westerik (2).

23.12.2020 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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