Wichtiger Sieg über Nördlingen

Mehr Spannung geht nicht. 4,9 Sekunden waren noch zu spielen, der Herner TC führte mit 67:64, da durfte Nördlingens Sami Hill für zwei Würfe an die Linie. Die Kanadierin tat, was sie tun musste.

Versenkte den ersten, warf den zweiten an den Ring. Und wirklich, wie von den Gästen erhofft, eroberte Luisa Geiselsöder den Abpraller, machte sich resolut Platz für einen Wurf, doch fair bedrängt von Katharina Fikiel brachte Deutschlands Nationalcenterin den Korbleger nicht unter. Hernes Spielerinnen sprangen gleich in eine Jubeltraube, ihnen und ihren begeistert mitgehenden Fans auf den Rängen blieb eine nervenaufreibende Verlängerung erspart. Mit dem 67:65 (36:33)-Erfolg hat der HTC nach Punkten zu den XCYDE Angels aufgeschlossen und kann weiter hoffen, die Hauptrunde auf Platz drei abzuschließen. 

„Wir haben den Sieg, wir haben, was wir heute wollten“, atmete Marek Piotrowski einmal kräftig durch. „Nördlingen war ein sehr starker Gegner, aber wenn man den Verlauf des ganzen Spiels sieht, war unser Sieg schon verdient.“ Kurzfristig, so der Herner Headcoach, habe er auch gehofft, mit mehr als zehn Punkten und damit den direkten Vergleich zu gewinnen. „Als wir einmal auf 13 weg waren, war die Chance da. Aber Nördlingen hat sofort gekontert, und wir haben in dieser Phase ein paar falsche Entscheidungen getroffen und zu viele Dreier genommen.“ Sei‘s drum, dem Herner Glück am Karnevalssamstag tat das keinen Abbruch. Von Beginn an war es der erwartet heiße Kampf auf Augenhöhe. Herne erwischte mit zwei Körben der wie immer hoch motivierten Laura Westerik den besseren Start, doch aus dem schnellen 4:0 (2.) wurde schon bald ein kleiner Rückstand, der noch im ersten Viertel auf sieben Punkte anwuchs (11:18/9.). Während sich die Hernerinnen in der Offense oft festrannten und auch von der Linie patzten, kamen die Angels über Luisa Geiselsöder und die mehrfach fast ungehindert zum Brett ziehende Leslie Vorpahl zu leichten Punkten. Erst nach dem 17:25 (12.) bekamen die Hernerinnen das Spiel langsam in den Griff. Zwar konnte die bislang so starke Rebecca Harris zunächst keine Akzente setzen und hockte nach drei schnellen Fouls fast das gesamte zweite Viertel auf der Bank, aber dafür sprang eine andere in die Bresche: Eva Rupnik, für Harris gekommen, brachte den Ball sicher nach vorne, punktete von der Linie und traf per Dreier auch zum 32:33 (19.). Weil die ebenfalls überzeugenden Adelina Abaiburova und Angelika Stankiewicz noch vier Punkte folgen ließen, nahm der HTC sogar eine 36:33-Führung mit in die Halbzeit.

Diesen Vorsprung konnte Herne nach der Pause bis auf 48:35 (25.) ausbauen – der Gewinn des direkten Vergleichs war kein bloßes Wunschdenken mehr. Doch Nördlingen schlug sofort zurück. Erst traf Vorpahl den ersten Dreier für die Angels, dann ließ es Hill zweimal von draußen krachen. Und Herne konnte froh sein, dass Stankiewicz einen schwierigen Buzzerbeater zum 53:46-Zwischenstand nach 30 Minuten durch den Ring zauberte. Nach fünf schnellen Punkten der Gäste zum 53:51 aber war das Drehbuch für den Schlussakt geschrieben: Es konnte nur ein Drama werden. Jetzt betrat Rebecca Harris wieder die Bühne, traf zum 56:51, dann per Dreier zum 59:53 (37.). Die Engel aber ließen sich nicht abschütteln, waren 37 Sekunden vor Schluss auf drei Punkte dran (61:58). Herne hatte Ballbesitz, wählte wieder die Option Harris. Doch diesmal drehte sich ihr Dreier wieder heraus, den Gegenangriff verwertete Nördlingen mit Foul, konnte den Bonusfreiwurf aber nicht nutzen. Die verbleibenden 20 Sekunden gerieten zur Ewigkeit. Bei Herner Ballbesitz und einer 61:60-Führung mussten die Gäste die Uhr anhalten. Dreimal noch holten sie Eva Rupnik an die Linie, aber die 26-jährige Slowenin blieb auch unter Stress eiskalt. Alle sechs Würfe rauschten durch den Ring. Trotzdem drohte noch die Verlängerung. Bis Luisa Geiselsöders Wurf sein Ziel verfehlte und Herne endlich jubeln durfte. Platz vier ist zunächst mal abgesichert, der Sprung auf Platz drei winkt. Am nächsten Samstag zuhause gegen Halle könnte er schon gelingen.

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